Der Magyar Vizsla

Zum Wesen des ungarischen Vorstehhundes


Nach der Bundessiegerausstellung Fotos von Gabriele Merz
Besondere Eigenschaften

Der Magyar Vizsla kommt aus Ungarn und wurde als Jagd- und Gebrauchshund gezüchtet. Aufgrund seiner Intelligenz und leichten Führigkeit findet er heute noch vielfach Einsatz als Rettungs- oder auch als Jagdhund. Aber auch als Familien- oder als Reitbegleithund ist er sehr gut geeignet.

Man unterscheidet den Drahthaar Magyar Vizsla und den Kurzhaar Magyar Vizsla. Der Drathaar Vizsla wurde durch Kreuzung des Deutschen Drathaar mit dem Magyar Vizsla geschaffen. Bei dieser Züchtung wurde gezielt mehr Härte und Wildschärfe eingebracht.

Ich bin mit dem Kurzhaar Magyar Vizsla oder Ungarisch Kurzhaar (UK) aufgewachsen, weshalb sich meine Erfahrungen auf diese Hunde beziehen. Meine Hunde haben sich immer durch ihre sagenhafte Lernfähigkeit, einen intensiven Lernwillen und die starke Bindung ausgezeichnet, die sie zu ihrem Führer und der Familie aufgebaut haben.

Trotz der gezielten Erhaltung der Wildschärfe und der jagdlichen Führung haben sie immer eine Tendenz zum Schmusehund und teilweise auch zum Clown gehabt, so dass ich sagen kann, dass mir vom Wesen her nie eine so freundliche und kontaktfreudige Rasse begegnet ist.

Unsere Vizslas waren immer voll sozialisiert und kamen im Alltag gut mit anderen Hunden und Menschen klar. Trotzdem entwickeln sie einen starken Beschützerinstinkt, was ihre Familie angeht.

Besonders habe ich zu schätzen gelernt, dass ich bei der Erziehung bisher ohne viel Härte und Dominanzgerangel ausgekommen bin. Nicht Druck sondern Konsequenz war hier bei der Erziehung immer das A und O und entscheidender Faktor für den Erfolg. Was man diesen Hunden beibringen kann geht wirklich über das übliche "Sitz", "Platz" und "Fuss" hinaus. Übermässige Härte oder Zwingerhaltung sind meines Erachtens bei einem Vizsla völlig ungeeignet. Der Vizsla benötigt viel Kontakt und will als Mitglied in die Familie integriert werden. Dies dankt er mit viel Treue und Liebe.

Was die Temperatur angeht, so fühlt sich der Magyar Vizsla in der Sonne sehr wohl und liebt es auch bei höheren Temperaturen, sich stundenlang in der Sonne zu aalen. Er ist kein Freund von hohen Minusgraden, friert aber nicht mehr, sobald man ihn mal dazu gebracht hat die Wohnung zu verlassen. Wenn er sich in seiner meist spritzigen Art bewegt, ist die Kälte sehr schnell vergessen.

In ihrer Jugend haben sich unsere Hunde immer durch ihre Quirligkeit ausgezeichnet. Sie lieben es, zu rennen, mit anderen Hunden zu spielen, Fang- und Suchspiele und zu Schwimmen. Gerade beim Schwimmen ist ein spielerisches Heranführen an die Wasserarbeit (am besten beim gemeinsamen Schwimmen mit dem Hund) sehr wichtig, da sich die Freude daran sonst nicht entwickelt.

Der Magyar Vizsla ist an sich ein sehr kontaktfreudiger Hund und braucht bei der Erziehung sehr viel Lob und Bestätigung.

Man kann fast sagen, dass diese Hunde über eine Art eigenen Charme verfügen, der es schwer macht, Ihnen etwas abzuschlagen. Hier muss man vor allem beachten, dass sich keine (aus meiner Sicht weniger dramatischen) Unarten, wie "Betteln" und "Auf dem Schoß liegen wollen" einschleichen. Häufig fordert der Vizsla seinen Herrn zum Körperkontakt auf, will spielen oder zumindest immer "dabei sein".

Auch wenn viele Menschen dazu neigen und es sehr wohl einige rassespezifische Merkmale gibt, will ich die Eigenschaften der Vizslas, die ich in den letzten 25 Jahren "kennengelernt" habe, nicht zu sehr verallgemeinern. Jeder von Ihnen war ein Individuum und es waren die unterschiedlichsten Charaktäre darunter. Damit meine ich auch ständige Ausreisser (je nach Läfigkeit der Hundedamen in der Umgebung), solche die Menschen und andere Hunde auch mal gebissen haben und schuss-scheue Hunde, die für die Jagd fast untauglich waren. Züchter, die Interessenten den Vizsla als "Wunderhund", der quasi von Jederman zu Lassie erzogen werden kann, verkaufen wollen, halte ich persönlich für unseriös. Leider gibt es derzeit wohl einige "Schwarzzüchter" und Händler, die den Magyar Vizsla zum Modehund machen wollen. Hier kann man von einer seriösen Beratung der Interessenten nicht sprechen und es scheint egal zu sein, ob die Käufer mit dem Hund (und der Hund mit den Käufern) glücklich wird oder nicht - solange sie kaufen. Ich kann daher nur empfehlen, sich die Hunde und Züchter vor dem Kauf im Rahmen von 2 unterschiedlichen Terminen anzuschauen und hierbei nicht auf den Preis oder unseriöse Versprechungen, sondern auf "das Gute Gefühl dabei" zu achten.

Bei unseren Vizslas hat es sich in der Vergangenheit immer bewährt, sich viel mit ihnen zu befassen, sie durch 2 - 3 Stunden Bewegung und / oder Kopfarbeit (Jagen, Training, Spiele, etc.) auszulasten, sie gut zu sozialisieren (Welpenschule und früher Umgang mit unterschiedlichsten Lebenssituationen) und viel Kontakt (Stimme und Körper). So liegt wohl ein gutes Stück der Verantwortung für das Verhalten des Hundes beim Halter. Ersthundebesitzern schadet es bestimmt nicht, sich vor der Anschaffung eines Hundes (jeglicher Rasse), ein gutes Hundebuch zu Gemüte zu führen. Dann kann man mit einem Magyar Vizsla wirklich glücklich werden und wird sich vielleicht (so wie ich) nie wieder eine andere Hunderasse anschaffen wollen ;-)




Einer der häufigsten Irrtümer bei der Anschaffung eines Magyar Vizsla
Wer einen pflegeleichten Hund will, weil er in der Rassebeschreibung die Worte "leichtführig" und "kinderlieb" gelesen hat und zudem denkt, dass er am besten einen kurzhaarigen Hund nimmt, da dann weniger Dreck in der Wohnung entsteht - also im Endeffekt glaubt, der Magyar Vizsla sei der unkomplizierteste Hund, den er sich anschaffen kann, ist leider oftmals bei der Rasse falsch.

Der Magyar Vizsla ist wirklich ein sagenhafter Hund, wenn man ihm gerecht wird, ihm genug Aufmerksamkeit und Kontakt bieten kann, ausreichend Bewegung (min. 2-3 Stunden am Tag), Spiel, Kopfarbeit und zudem gerecht, geduldig, liebevoll und konsequent in der Erziehung vorgeht (Wer sich nicht unter Kontrolle hat, ist hier bei der Hundeerziehung falsch). Damit zählen diese Hunde aber bei weitem nicht zu den Rassen mit den man es sich möglichst einfach machen kann. Unter schlechten Bedingungen kann man nicht selbstverständlich erwarten, dass der Hund alle seine besagten guten Eigenschaften entfaltet.



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